Blockiert wegen Wohnort! Jetzt spricht die zweite Betroffene aus Mistelbach

„Blockiert wegen Wohnort! Jetzt spricht die zweite Betroffene aus dem Bezirk Mistelbach: ‘Ich fühlte mich wie ein Mensch zweiter Klasse."

 

Was für viele nach einem schlechten Traum klingt, passiert jetzt gleich zwei Patienten aus dem Bezirk Mistelbach: Nachdem einem Mann aus Mistelbach der lang ersehnte OP‑Termin in einem Wiener Spital einfach gestrichen wurde, schildert nun Josefine Gemeinböck aus Poysdorf ihren Leidensweg – und bringt die Gesundheitspolitik zwischen Wien und Niederösterreich auf die Palme.

Monatelanges Warten

Für Josefine Gemeinböck war eine Operation in Wien ein Lichtblick nach Monaten des Wartens: Schmerzen, Einschränkungen, Hoffnung auf Besserung – und dann die Nachricht, die alles zerstörte: Keinen OP‑Termin, nicht weil kein Platz da wäre, nicht weil ein medizinisches Risiko bestand – sondern weil sie in Niederösterreich wohnt.

„Ich hatte die Schmerzen nicht mehr ausgehalten“, erzählt sie der Redaktion und dem NÖ-Landtagspräsidenten Karl Wilfing. Statt auf der Warteliste weiter nach vorne zu rücken, wurde sie plötzlich weiter hinten einsortiert – nur weil ihr Hauptwohnsitz nicht in Wien ist.

Während andere Patienten vor ihr behandelt werden, sitzt sie in der Warteschleife, bis sie sich dann entschloss, die  Eingriffe aus eigener Tasche zu bezahlen – gesamte Kosten: 14 000 Euro. Eine Summe, die sie selbst tragen musste, weil die Aussicht, regulär zum Zug zu kommen, und das auf Kasse, schlicht nicht bestand.

Wohnsitz als Lösung? 

Josefine sagt es offen: „Ich hatte jahrelang einen Zweitwohnsitz in Wien. Vielleicht hätte ich den behalten sollen – dann hätte ich bessere Chancen gehabt.“ Ein Satz, der nachdenklich stimmt zugleich: Darf der Gesundheitszugang von der Adresse abhängen? Im Gespräch legt sie sogar ein Schreiben des orthopädischen Spitals vor, in dem offen steht, dass die längeren Wartezeiten mit ihrem Wohnsitz in Niederösterreich zusammenhängen sollen. Für sie ist das diskriminierend und ungerecht.

Patienten zweiter Klasse 

Der Niederösterreichische Landtagspräsident Karl Wilfing sagt ohne Wenn und Aber: „Es kann nicht sein, dass Patienten aus Niederösterreich wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden.“ Trotz der rund 500 Millionen Euro, die Niederösterreich durch den Finanzausgleich an Wien für Gesundheitsleistungen leistet, sollen Niederösterreicher in Wiener Spitälern immer öfter zurückgewiesen werden – so die Kritik der Volkspartei Niederösterreich.

Die Geschichten des Mannes aus dem Bezirk Mistelbach und jetzt von Josefine Gemeinböck aus Poysdorf werden in St. Pölten als offensichtlicher Beweis dafür gewertet, dass die sogenannte Gastpatienten‑Regelung im Alltag nicht mehr funktioniert.

Zwei Schicksale, ein System‑Problem

Während Josefine bereits teuer bezahlen musste, steht nun eine dritte Operation bevor – wieder mit einer unsicheren Warteliste und wieder mit der Hoffnung, endlich ernst genommen zu werden. Sie sagt: „Ich will mich in Speising operieren lassen – dort sind die Spezialisten. Aber ich möchte fair behandelt werden.“

Auch Karl Wilfing wundert sich, dass die Krankenkassen nicht eingreifen: „Sie haben ja Verträge mit den Spitälern, da wäre es ja egal, wo der Wohnort ist.“ Für ihn zeigt sich hier ein offensichtlicher Bruch der Versorgungslogik: Jeder leistet seinen Beitrag, jeder sollte gleich behandelt werden – unabhängig vom Bundesland.

Textquelle (BB - Thiem): Patienten zweiter Klasse: Blockiert wegen Wohnort! Jetzt spricht die zweite Betroffene aus Mistelbach - Mistelbach